Zum Hauptinhalt wechseln

Schnuller – ja oder nein? Alles, was Sie wissen wollten

18.10.2023

Jana Potuznik

6 Minuten Lesedauer

Es ist wirklich ein Dilemma: Im Geschäft wirft man einen genauen Blick auf die jeweiligen Vor- und Nachteile der jeweiligen Schnuller und legt sie dann in den Warenkorb. Doch dann entfernt man sie wieder, weil jemand behauptet, dass die Kinder von ihm abhängig werden. Zudem soll man sie der eigenen Aufmerksamkeit berauben. Andere sagen wiederum, dass sie mit dem Schnuller besser schlafen. Und dann kommen noch die Ratschläge von Zahnärzten, Kieferorthopäden und Logopäden – ab welchem Alter und wie lange sollte man sie verwenden, welche Schnullertypen sollte man wählen und warum. Möchten Sie endlich den Durchblick haben? Dann lesen Sie weiter!

Ruhe und weniger Stress für Baby und Mutter

Die Hauptfunktion eines Schnullers ist es, das Baby zu beruhigen. Bei Launen, in Stresssituationen, bei Sehnsucht, Schmerzen, Schlafproblemen ... Der Schnuller entlastet somit die Eltern in Momenten, die schon so oftmals sehr anstrengend sind – und erst recht, wenn sie ohne Schnuller stattfinden sollen. Hier gibt es nichts zu bereuen, und wenn Ihr Baby den Schnuller nicht ablehnt (was bei manchen der Fall ist), haben Sie eine große Auswahl an Schnullern

Wie wählt man einen Schnuller aus? Betrachten Sie die folgenden Parameter:

  • Größe: Die können Sie einfach bestimmen, denn auf der Verpackung befindet sich eine Altersangabe. 
  • Material: Am häufigsten sieht man wahrscheinlich einen durchsichtigen Silikonschnuller, aber es gibt auch Kinder, die Latex „mögen“ (das ist etwas umweltfreundlicher). 
  • Form des Kunststoffteils: Völlig runde Schnuller können beim Nuckeln gegen die Nase stoßen. Deshalb sind Schnuller mit angepasster Form besser, vor allem bei Neugeborenen.
  • Form des Saugers: Wählen Sie einen möglichst flachen Sauger – und zwar nicht nur im „aufgeblasenen Teil“. Der Teil, den das Baby zwischen dem Zahnfleisch haben wird, sollte so dünn wie möglich sein. Und wir verraten Ihnen auch, warum.

Wählen Sie den besten Schnuller aus

Kieferorthopädische Schnuller

Die Verwendung eines Schnullers beeinflusst die zukünftige Kieferstellung Ihres Kindes. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Milchzähne, sondern auf die dauerhafte und unveränderliche Stellung des Kiefers.

Wenn Sie Ihrem Kind den Schnuller nur für ein paar Minuten geben, zum Einschlafen oder in einer Krisensituation, dann passiert nichts. Aber wenn das Kind den Schnuller täglich, stundenlang, die ganze Nacht usw. benutzt, kann sich leicht ein offener Biss entwickeln: zwischen der Ober- und Unterseite der Vorderzähne entsteht ein rundes Loch, das den Schnuller beim Tragen kopiert. Es bleibt auch weiterhin bestehen, wenn das Baby den Schnuller nicht mehr benutzt. 

Daher eignet sich der so genannte kieferorthopädische Schnuller, der in der Regel die anatomische Form des „aufgeblasenen Teils“ berücksichtigt, so dass er sich gut an Gaumen und Zunge anpasst. Sie müssen aber vor allem darauf achten, dass der Schnuller an der Bissstelle so dünn wie möglich ist. 

Schnuller in Form halten

Spülen Sie Schnuller vor jedem Gebrauch unter fließendem Wasser ab (und grundsätzlich nicht ablecken!). Und legen Sie sie regelmäßig in den Sterilisator zu den Babyflaschen Flaschen und Saugern hinzu. Oder wie früher in einem Topf mit heißem Wasser auf dem Herd auskochen. Selbstverständlich sollten Sie auch Schnullerclips anschaffen, damit man nicht ständig nach ihnen suchen muss. Zudem sind auch spezielle Schnullerboxen sehr praktisch (so kann man auf Reisen Ersatzschnuller einpacken).

Bis zu welchem Alter sollten Kinder Schnuller benutzen?

Hier sollten Sie sehr aufmerksam lesen. Man spricht von einer Altersgrenze von 1,5 Jahren. Bis zu diesem Alter drohen keine Kieferschäden. Aber die Logopädie empfiehlt noch früher damit aufzuhören. Der Kindermund hat gerade in den ersten Lebensmonaten viel zu tun. 

Er übt das Sprechen, Laute, Mundbewegungen, die Zungenstellung – und wenn das Baby ständig einen Schnuller im Mund hat, dann kann der Mund diesen Tätigkeiten nicht nachgehen. Die Zunge und die Sprachorgane können dadurch während der Nacht nicht auf natürliche Weise entspannen. Das wird vielleicht im Alter von zwei und sicherlich im Alter von drei Jahren die Gewohnheit der richtigen Aussprache beeinflussen. 

Was spricht also für einen Schnuller und was dagegen?

DAFÜR

  • Das Baby kann leichter einschlafen und wacht nachts weniger häufig auf.
  • Wenn Sie nicht beim Baby sein können und eine Babysitterin notwendig ist, dann bleibt es ruhiger.
  • Der Schnuller kann insgesamt beruhigend wirken (unterwegs, beim Arzt usw.).
  • Mit einem Schnuller besteht nicht die Gefahr, dass das Daumenlutschen schwerer zu überwinden ist.

DAGEGEN

  • Ein Schnuller macht schnell süchtig und das Abgewöhnen ist schwer. 
  • Schnuller fallen oft zu Boden und man muss sehr auf die Hygiene achten. 
  • Sie gehen gerne verloren und müssen ständig ersetzt werden.
  • Wenn Sie ihn versehentlich vergessen, dann wird das Kind launisch und weinerlich.
  • Wenn Sie dem Kind jedes Mal den Schnuller als Trost gegen das Weinen geben, übersehen Sie möglicherweise andere und ernstere Gründe für die Unzufriedenheit Ihres Kindes.
  • Wenn ein Kind jeden Tag stundenlang einen Schnuller im Mund hat, dann werden die Kieferstellung und die Gesundheit der Zähne irreversibel beeinflusst.

Sonstiges Schnullerzubehör

Wie kann man das Kind vom Schnuller abgewöhnen, ohne ihm gleich das Herz zu brechen?

Es gibt Städte, in denen es sogenannte Schnullerbäume gibt. Dabei handelt es sich um Bäume, an denen Mütter gemeinsam mit ihren Babys Schnuller aufhängen. Bei manchen Familien verschwinden Schnuller auf mysteriöse Weise. Andernorts sind sie ein Symbol für die Verantwortung älterer Geschwister, die ihren Schnuller an ihr neugeborenes jüngeres Geschwisterchen „übergeben“. Und viele Kinder lassen ihn liegen, nachdem man das liebste Teil des Schnullers abgeschnitten hat. Sie selbst kennen Ihr Kind am besten und werden den am wenigsten schmerzhaften Weg wählen. Das Wichtigste ist: Erklären Sie Ihrem Kind alles dem Alter entsprechend, so dass es Sie versteht.

Sie sollten sich an den Tagen, an denen sich ihr Nachwuchs vom Schnuller trennen muss, mehr Zeit für Ihr Kind nehmen. Denn plötzlich kann sogar das Stillen Probleme machen, vom Schlafen ganz zu schweigen. Beginnen Sie also frühzeitig mit anderen Einschlafritualen, die Sie zunächst parallel zum Schnuller und dann ohne Schnuller anbieten, damit zumindest ein Teil von ihnen erhalten bleibt. Und achten Sie darauf, dass der Schnuller nicht durch den Daumen ersetzt wird. Dieser ist nämlich immer zur Hand, und die Folgen einer Fehlstellung des Kiefers können dann wirklich schwerwiegend sein.

Wissen Sie jetzt in Sachen Schnuller Bescheid? Super! Jedes abgehakte Eltern-Dilemma zählt!